Konjunkturentwicklung: Deutliche Abkühlung nach Rekordzuwachs

Die deutsche Wirtschaft holt rasant auf und lässt die jüngste Krise offenbar immer stärker hinter sich. Wirtschaftsforscher warnen aber: Der Aufschwung dürfte bald eine Pause einlegen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal dieses Jahres um 2,2 Prozent gegenüber dem ersten Vierteljahr gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurde damit ein Rekordwert im vereinigten Deutschland erzielt. Auch im Vorjahresvergleich hat die Wirtschaftsleistung kräftig zugelegt: Das preisbereinigte BIP stieg im zweiten Quartal 2010 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent. Den größten Anteil am Aufschwung hatte die Dynamik der Investitionen und des Außenhandels.

Starke Zuwächse auch beim Maschinen- und Anlagenbau

Deutlich gestiegen ist auch der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands. „Diese Zunahme ist der größte Sprung nach oben seit der Wiedervereinigung Deutschlands“, heißt es vonseiten des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung in München. Die Unternehmen berichteten von einer erheblich besseren Geschäftslage und schätzen die Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr optimistischer ein als im Vormonat. Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zog eine erfreuliche Halbjahresbilanz: So verzeichnete der Auftragseingang im zweiten Quartal ein Plus von 53 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. In- und Auflandsaufträge hielten sich dabei in etwa die Waage.

Nachlassender Export und auslaufende Konjunkturpakete bremsen

Prognosen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge, erreicht die konjunkturelle Dynamik damit allerdings ihren vorläufigen Höchststand. Denn für das dritte Quartal signalisiere das DIW-Konjunkturbarometer eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf 0,5 Prozent. „Zum einen dürfte die boomende Nachfrage nach deutschen Exportgütern etwas nachlassen“, sagt der DIW-Konjunkturexperte Ferdinand Fichtner und verweist dabei auf Nachholeffekte. Zum anderen würden die Konjunkturpakete allmählich auslaufen. Fichtner: „Das belastet das Wachstum auf kurze Sicht.“

Die Mitte August veröffentlichten Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unterstützen diese Einschätzung: Der Index fiel um 7,2 auf nunmehr 14,0 Punkte und liegt damit wie bereits im Vormonat unter dem historischen Mittelwert von 27,3 Punkten. Laut ZEW geht aufgrund der deutschen Exportabhängigkeit das größte Konjunkturrisiko von einer schwachen wirtschaftlichen Entwicklung wichtiger Außenhandelspartner aus, wie den anderen Euroländern und den USA. „Vor dem Hintergrund der schwächelnden internationalen Konjunkturentwicklung ist den Finanzmarktexperten die Wachstumseuphorie einzelner Branchen offensichtlich nicht ganz geheuer“, kommentiert ZEW-Präsident Prof. Wolfgang Franz und fügt hinzu: „Ohnehin lassen sich rein rechnerisch von einem niedrigen Ausgangsniveau hohe Wachstumsraten leichter erzielen, allerdings mit einer abnehmenden Dynamik.“

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